Der cherubinische Wandersmann.
Angelus Silesius
Viertes Buch 201-226
201. Warumb die Seele ewig.
GOtt ist die Ewge Sonn' / ich bin ein strahl von jhme: |
202. Der Strahl ohne die Sonne.
Der Strahl ist nichts wenn er sich von der Sonn abbricht; |
203. Wie man sucht so findet man.
Du findest wie du suchst: Wie du auch klopffest an / |
204. Wer nicht von GOtt geschieden kan werden.
Wen GOtt zu seinem Sohn gebohren hat auff erden / |
205. Der punct der Seeligkeit.
Der Punct der Seeligkeit besteht in dem allein. |
206. Jn wem der Sohn GOttes gebohren ist.
Wem alle ding ein ding und lauter Friede sind / |
207. Kennzeichen deß Sohns GOtts.
Wer stäts in GOtte bleibt / verliebt / gelassen ist: |
208. Nach der zeit ist keine würckung.
Mensch würcke weil du kanst dein Heil und Seeligkeit: |
209. Wer zuviel glaubt.
Es ist zwar wahr daß Gott dich seelig machen wil: |
210. Was die Armuth deß Geistes ist.
Die Armuth unsres Geists besteht in innigkeit / |
211. Der ärmeste der Freyeste.
Der Armuth eigenthum ist freyheit allermeist: |
212. Armuth ist das wesen aller Tugenden.
Die laster sind bestrickt / die Tugenden gehn frey: |
213. Der Alleredleste Mensch.
Der Alleredelste den man ersinnen kan / |
214. Der herrliche Tod.
Christ / der ist herrlich todt / der allem abgestorben / |
215. Die zeit begreifft nicht die ewigkeit.
So lange dir mein Freund im sinn liegt ort und zeit: |
216. Die empfängliche Seel.
Die Seel die Jungfrau ist / und nichts als GOtt empfängt / |
217. Der aufgespannte Geist.
Der Geist der allezeit in GOtt steht aufgericht / |
218. Kennzeichen der Braut GOttes.
Die Braut verliebet sich inn Bräutigam allein: |
219. Das wandelnde gezelt GOttes.
Die Seel in der GOtt wohnt / die ist (O Seeligkeit!) |
220. GOtt versorgt alle Creaturen.
GOtt der versorget alls / und doch ohn alle müh / |
221. Auch das kleinste Würmelein.
Kein Würmlein ist so tief verborgen in der Erden / |
222. GOtt ist die allvorsichtigkeit leichte.
Mensch glaubstu GOtts deß Herrn allgegenwärtigkeit / |
223. GOtt soll der Seelen bekandt seyn.
Ein HErr in seinem Hauß / ein Fürst in seinem Land: |
224. Wie man zur Einigkeit gelangt.
Wenn sich der Mensch entzieht der mannigfaltigkeit / |
225. Der Lustgarten GOttes.
Die ewge Lustbarkeit sehnt sich in mir zu seyn: |
226. Die Majestät deß Menschen.
Jch bin (O Majestät!) ein Sohn der Ewigkeit / |
227. Wer auß Adelichem Geblütte.
Der so auß GOtt gebohrn / sein Fleisch hat und Gemütte: |
228. GOtt sieht die ankunfft an.
Die ankunfft hilfft doch viel: Weil Christus gnug gethan / |
229. Wer GOtt dient ist hoch Adelich.
Mir dient die gantze Welt: Jch aber dien' allein |
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